21.3.2018 | 9:30-14:30 Uhr
Saal des Olof-Palme-Zentrums (OPZ), Demminer Straße 28, 13355 Berlin

2013 wurde durch die UN-Generalversammlung die Internationale Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung für die Jahre 2015-2024 beschlossen. Sie steht unter dem Motto „Menschen Afrikanischer Abstammung: Anerkennung, Gerechtigkeit und Entwicklung“. Man hat sich dazu verpflichtet, die Anerkennung, Rechte und Entwicklung von Menschen afrikanischer Abstammung zu fördern und rassistische Diskriminierung und Rassismus zu bekämpfen. In Deutschland wurde die Dekade 2016 eröffnet, und es fand ein Besuch durch eine internationale Expert_innen-Delegation statt.

In Ihrem Bericht zeigt sich “die Arbeitsgruppe zutiefst besorgt über die Menschenrechtssituation von Menschen afrikanischer Herkunft und Abstammung in Deutschland. Während sie eine heterogene Gruppe darstellen, ist ihr Alltag geprägt von Rassismus, negativen Stereotypen und strukturellem Rassismus. Sie sind Zielscheibe und Opfer rassistischer Gewalt und Hassverbrechen. Sie fürchten um ihre Sicherheit und vermeiden bestimmte Orte, an denen sie annehmen, angegriffen zu werden. Sie sind rassistischer Diskriminierung durch ihre Klassenkameraden, Lehrer und Arbeitskollegen sowie strukturellem Rassismus durch die Regierung und das Strafjustizsystem unterworfen. In Deutschland sind negative Stereotype von Menschen afrikanischer Abstammung weiterhin an der Tagesordnung. Diese Stereotype führen zu fehlgeleiteten und auf falschen Informationen basierenden Wahrnehmungen von Menschen afrikanischer Abstammung. Trotz der gravierenden Situation werden sie nicht offiziell als in besonderer Weise einem Rassismus ausgesetzte Gruppe anerkannt. (…) Menschen afrikanischer Herkunft und Abstammung bleiben strukturell unsichtbar.” (Auszug aus Absätzen 52 und 55 einer Inoffiziellen Übersetzung des Berichts der UN-Arbeitsgruppe)

Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir vor diesem Hintergrund mit der Fachtagung in einen fachlichen Austausch treten, höhere Sensibilisierung und Sichtbarkeit erreichen und neue Strategien entwickeln, um die spezifische Diskriminierung gegenüber Menschen afrikanischer Herkunft und Abstammung erkennbar zu machen und langfristig zu überwinden.

 

Anmeldung

info(at)piip-berlin.de oder Tel. 030 / 91515416

Programm

9:30

Einführung und Begrüßung

Eren Ünsal, Leiterin der Landesantidiskriminierungsstelle der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung

10:00 Inputs und Diskussion
 

Input 1: Rassistische Diskriminierung an Schulen

Saraya Gomis, Antidiskriminierungsbeauftragte der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und Studienrätin

 

Input 2: Die Internationale Dekade für Menschen Afrikanischer Abstammung und der Bericht der UN Expertengruppe anlässlich der ersten Untersuchungsmission zur menschenrechtlichen Situation von Menschen afrikanischer Abstammung in Deutschland 2017

Elisabeth Kaneza, Fellow des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR), Expertin für Internationale Menschenrechte

 

Input 3: Spezifische Diskriminierung ggü. Menschen afrikanischer Abstammung, Kontext Menschenrechte, Handlungsoptionen auf landespolitischer Ebene

Joshua Kwesi Aikins, Politikwissenschaftler und Aktivist, Autor, Trainer im Bereich der politischen Bildung, bei Berlin Postkolonial und ISD

 

Input 4: Rassismus in der Hochschulbildung vor dem Hintergrund von Macht und Kolonialismus

Dr. Emily Ngubia Kessé, Forscherin zur Diskriminierung an Hochschulen, Autorin, Diversity Trainerin und Projektleiterin bei µData Analytics Institute

12:00 Mittagspause mit afrikanischem Buffet
12:45 Worldcafés
 

Worldcafé 1: Die koloniale Vergangenheit und Gegenwart als Alleinstellungsmerkmal für Diskriminierung gegenüber Menschen Afrikanischer Abstammung, Handlungsoptionen im Bildungssystem mit Dr. Emily Ngubia Kesse

o    Bedeutung der von Sklavenhandel und Kolonialismus geprägten Vergangenheit in der spezifischen Diskriminierungsform

o    Rolle des gegenwärtigen NEO-Kolonialismus / Imperialismus in der spezifischen Diskriminierungsform

o    Aufarbeitung & Reparationen hinsichtlich Kolonialverbrechen und Völkermorden

o    Wie können (spezifische) Antidiskriminierungsthemen verstärkt auch in die Schulbildung und Jugendarbeit einfließen?

 

Worldcafé 2: Definition der spezifischen Diskriminierungsform und Handlungsoptionen auf Ebene der Landespolitik mit Joshua Kwesi Aikins

o    Wieso verwendet die Dekade nicht Begriffe wie “POC” oder “Black People”? Schließt die Orientierung auf afrikanische “Abstammung” bzw. “Descent” weitere Menschen aus, die anhand dunkler Hautfarbe diskriminiert werden?

o    Was ist “Racial Profiling” und gibt es noch mehr derartige Diskriminierungsformen in Deutschland?

o    Wie sind die generellen Auswirkungen einer Diskriminierung gegenüber Menschen Afrikanischer Abstammung?

 

Worldcafé 3: Handlungsoptionen im Rahmen des weiteren Verlaufs der UN-Dekade und durch den Bericht der Expertengruppe mit Elisabeth Kaneza

o    Welche Methoden benutzt der Bericht, um die Diskriminierungs-Realität zu erfassen?

o    Wie beschreibt der Bericht die Situation in Deutschland?

o    Welche Handlungsmöglichkeiten bringt uns die UN-Dekade?

o    Wie können Akteure aus den afrikanischen Communities den Umstand nutzen, dass die Registerstelle Berlin-Mitte durch eine afrikanisch-migrantische Organisation umgesetzt wird?

14:00 Ergebnisdiskussion
14:30 Schluss